Montag, 2. Juni 2014

Piece of demonstrating orchestra

In einem ruhigen Gang stand es unauffällig. Mir erschien es auf den ersten Blick recht uninteressant und eher dogmatisch. Als ich mir dann den Film auf dem Bildschirm, rechts neben dem Objekt, anschaute verstand ich wie flexibel dieses doch war. Der Film erinnerte stark an eine Dauerwerbesendung im Homeshopping Kanal. Dabei ging es um ganz klassisch um die richtige Betätigung und Vielseitigkeit des „Gerätes“. Während man also in die Betriebsanweisung eingeführt wurde kam mir zu diesem Objekt nur ein Gedanke auf: one-man-band. Es war wie ein Musikant, der mit seinem Mund die Mundharmonika , mit seinen Händen die Gitarre und mit seinen Füßen Drums spielte. Dennoch war das noch nicht einmal der Anfang der unglaublichen Vielfalt.
      Mein Objekt trägt den Titel „comfortable protest“ und wurde von der Künstlerin Elena Artemenko 2013 in Russland entworfen. „Demonstration-to go“ würde genauso passen, denn eigentlich ist es nichts anderes als das.Es ist ein Ausstellungsstück der EMAF in der Kunsthalle Osnabrück. Eine Art Rucksack, der viele Gadgets für einen erfolgreichen und auch bequemen Protest enthält. Zu den Gadgets gehören z.B. Stifte, ein Erste-Hilfe-Koffer und auch ein Schal, falls es kalt und windig sein sollte. Diese beschreiben aber nur einen Bruchteil seiner Ausstattung. Je nachdem wie man den Rucksack umschlägt kann aus ihm ein Plakat werden, an dem man ganz leicht einen Regenschirm befestigen kann, oder bei weiterem Umschlägen ein bequemer Hocker.
      Durch dieses Objekt erleichtert Artemenko den Demonstranten einen Protest.
Artemenko selbst studierte an der „Kuban State University“ an der Fakultät für Journalismus. Doch nicht nur diese periodisch publizistische Arbeit prägte ihr Leben. Weiterführend machte sie einen Abschluss an einer Schule in Moskau für Fotografie und Multimedia. Dies, so könnte man sagen, war der Startschuss für einen kreativen Journalismus. Als Beispiel wäre hier der Rucksack zu nennen.
      Ohne Frage bezieht sie sich damit auf die sich seit 2013 stark ausbreitenden Proteste in Russland, aber auch in der Ukraine. Sie löst sich jedoch von dem Bild in ihrer Kunst speziell auf die vorherrschenden Ereignisse einzugehen und sie widerzuspiegeln. Es macht für mich den Anschein als würde sie mit dem Objekt selbst Stellung nehmen. Stellung in Bezug darauf, dass das, wofür die Demonstranten protestieren, für sie als richtig erscheint. Würde dies nicht zutreffen, hätte sie dann wirklich daran gearbeitet, wie man einen Protest so angenehm und erfolgreich wie möglich gestalten kann? Hätte sie sonst nicht eher einen Koffer für die Polizisten erfunden, der ihnen beim Zurückdrängen der Menschenmassen helfen würden? Für mich scheint der erste Fall eher zu zutreffen.
      Sie möchte an diese Demonstranten erinnern. Erinnern? Erinnern wie man es mit einem Denkmal versucht? Könnte man dies also als Denkmal bezeichnen?
Ganz klar gibt es hierzu einen historischen Kontext. Der Punkt würde schon einmal zutreffen. Auch viele sind bei diesen Aktionen gestorben. Tote, die Bruder, Sohn oder sogar Vater waren. Soll es also ein Andenken für die Freunde oder die Familie der Opfer sein? Oder eher ein Zeichen setzten, wie zukünftige Demonstranten erfolgreicher protestieren können? Es hätte dabei dann nicht nur einen einen Denkmal-Charakter sondern auch ein Mahnmal-Charakter.

      Obgleich es Vergangenem gedenken soll oder auf Zukünftigem aufbauen soll, ist es eine faszinierende Art kreativ mit dem Thema umzugehen und dabei nicht zu viel vor weg zu nehmen.