In
einem ruhigen Gang stand es unauffällig. Mir erschien es auf den
ersten Blick recht uninteressant und eher dogmatisch. Als ich mir
dann den Film auf dem Bildschirm, rechts neben dem Objekt, anschaute
verstand ich wie flexibel dieses doch war. Der Film erinnerte stark
an eine Dauerwerbesendung im Homeshopping Kanal. Dabei ging es um
ganz klassisch um die richtige Betätigung und Vielseitigkeit des
„Gerätes“. Während man also in die Betriebsanweisung eingeführt
wurde kam mir zu diesem Objekt nur ein Gedanke auf: one-man-band. Es
war wie ein Musikant, der mit seinem Mund die Mundharmonika , mit
seinen Händen die Gitarre und mit seinen Füßen Drums spielte.
Dennoch war das noch nicht einmal der Anfang der unglaublichen
Vielfalt.
Mein
Objekt trägt den Titel „comfortable protest“ und wurde von der
Künstlerin Elena Artemenko 2013 in Russland entworfen.
„Demonstration-to go“ würde genauso passen, denn eigentlich ist
es nichts anderes als das.Es ist ein Ausstellungsstück der EMAF in der Kunsthalle Osnabrück. Eine Art Rucksack, der viele
Gadgets für einen erfolgreichen und auch bequemen Protest enthält.
Zu den Gadgets gehören z.B. Stifte, ein Erste-Hilfe-Koffer und auch
ein Schal, falls es kalt und windig sein sollte. Diese beschreiben
aber nur einen Bruchteil seiner Ausstattung. Je nachdem wie man den
Rucksack umschlägt kann aus ihm ein Plakat werden, an dem man ganz
leicht einen Regenschirm befestigen kann, oder bei weiterem
Umschlägen ein bequemer Hocker.
Durch
dieses Objekt erleichtert Artemenko den Demonstranten einen Protest.
Artemenko
selbst studierte an der „Kuban State University“ an der Fakultät
für Journalismus. Doch nicht nur diese periodisch publizistische
Arbeit prägte ihr Leben. Weiterführend machte sie einen Abschluss
an einer Schule in Moskau für Fotografie und Multimedia. Dies, so
könnte man sagen, war der Startschuss für einen kreativen
Journalismus. Als Beispiel wäre hier der Rucksack zu nennen.
Ohne
Frage bezieht sie sich damit auf die sich seit 2013 stark
ausbreitenden Proteste in Russland, aber auch in der Ukraine. Sie
löst sich jedoch von dem Bild in ihrer Kunst speziell auf die
vorherrschenden Ereignisse einzugehen und sie widerzuspiegeln. Es
macht für mich den Anschein als würde sie mit dem Objekt selbst
Stellung nehmen. Stellung in Bezug darauf, dass das, wofür die
Demonstranten protestieren, für sie als richtig erscheint. Würde dies nicht zutreffen, hätte sie dann
wirklich daran gearbeitet, wie man einen Protest so angenehm und
erfolgreich wie möglich gestalten kann? Hätte sie sonst nicht eher
einen Koffer für die Polizisten erfunden, der ihnen beim
Zurückdrängen der Menschenmassen helfen würden? Für mich scheint
der erste Fall eher zu zutreffen.
Sie
möchte an diese Demonstranten erinnern. Erinnern? Erinnern wie man
es mit einem Denkmal versucht? Könnte man dies also als Denkmal
bezeichnen?
Ganz
klar gibt es hierzu einen historischen Kontext. Der Punkt würde
schon einmal zutreffen. Auch viele sind bei diesen Aktionen
gestorben. Tote, die Bruder, Sohn oder sogar Vater waren. Soll es
also ein Andenken für die Freunde oder die Familie der Opfer sein?
Oder eher ein Zeichen setzten, wie zukünftige Demonstranten
erfolgreicher protestieren können? Es hätte dabei dann nicht nur
einen einen Denkmal-Charakter sondern auch ein Mahnmal-Charakter.
Obgleich
es Vergangenem gedenken soll oder auf Zukünftigem aufbauen soll, ist
es eine faszinierende Art kreativ mit dem Thema umzugehen und dabei
nicht zu viel vor weg zu nehmen.